Herzensbild

Herzen stehlen wollt‘ ich,
mit Liedern auf den Lippen gehen
neuen Morgen entgegen.

Lippen Blutig beiß ich stattdessen,
nur die eignen natürlich,
Wie sollt’s auch anders sein?

Verzerrten Gesichtes hin und her
geworfener Kopf, voller Schelte nur
meine Zunge für das, was ich da sag.

Achso bitterlich wünscht ich
zu Stillen diesen Durst, zu legen
den Hunger den seit Jahr und Tag –

Ich glaub‘, ich spür noch immer nichts.

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Herzensheim

Von Winden des Nordens geschmeichelt
schwebt mein Herz, bar jeden Schutzes
ohne ein Heim in diesen Tagen

Ohne etwas, das stützt und Wärmt
ist jeder Gedanke Offen, Blind
Jedem ein Gastgeber, der zu Füllen bereit

Von Heimweh getrieben nun wand’re ich
durch konturlose Wälder, auf der Suche
nach einer Definition nur für mich

Eines Lebens müd‘, das keines sein kann
Weil so vieles fehlt, von Feuer über Wind
zu den Säulen die alles umspielen

So rinnt der Sand nicht nur im Glas
Auch meine Finger streifen hindurch
auf der Suche nach festem Grund

Fluss der Stoffe

Mit Fassung als Maske des Gesichts wandle ich durch den Regen,
der Gardinen zwischen mir, der Welt, und meinem Innern zieht
durch wieder erblindetes Glas betracht ich das Wesen, das Biest und Kind zugleich

und mit Hämmerndem Herzen stell ich fest, das es noch immer fehlt,
das kleine Kind, das eingesperrt und in Sicherheit ich gewähnt,
Schrecken macht sich hinter der Maske breit, Verhalten jedoch

fließt der Fluss der Zeit doch immer langsamer, wenn es Regnet,
egal ob im Kopf oder in der Welt, füllen Tränen die Läufe Neu, die
unverändert letzten Endes Ihrer Wege ziehen, zusehen nur kann man Ihnen dann

in nahezu gewisser Sicherheit, dass der Lauf der Zeit sch immer wiederholt,
gewappnet mit dem Versuch, all die Bilder, die man sammelte, weiter zu wahren
nicht der Versuchung zu erliegen, Sie mit der Flut ziehen zu lassen

noch immer das Mosaik im Blick pumpt das Herz immer noch Gedanken durch den Leib
jedoch leicht nur noch quälend mit Fragen nach Wohlergehen und Bedürfnissen
drum folg ich Ihm weiter, dem Fluss, um zu sehen, welch Stoffe ich noch find

Brüchig

Voller Denken wandle ich in lichter werdend Tage Schein und
kalter Hände kühler Hauch umfängt mein Herz, das bricht in Splittern
bricht das Licht sich in Kaskaden breitend über meinen Leib

nicht mehr in der Lage zu spüren diesen Körper bin ich
drum lauf ich weiter, taub, vom Zeh bis in den Scheitel,
zu Scheiteln versuch ich zwischen Zweifel und Gefühl

Fühl doch so Leer oft ich mich, das zu Füllen ich sehne
all das Grau mit vielen Farben, unkenntlich Facetten
zeigt sich Menschlich hier, jeden Tag und immer wieder

das zum Widerspruch mich führt der Glauben,
zu erkennen, was den Menschen macht,
ist doch der Mensch, was des Menschen Macht

und gemacht bin ich, doch frag ich oft mich,
aus bewusster Kraft, oder eher in des Zufalls wid’rer Dacht
so taum’le ich, häufig, ohne festen Plan in die Nacht

ein Geist von Flucht getrieben bin ich,
wünsch zu flüchten regelmäßig, in eines and’ren ich
zu genießen anderer Mäntel Wärme als meines eig’nen,

den schon längst ich nicht mehr spür

Erschöpfung

Ich bin Erschöpft.
So Kaputt, aber nicht Müde.
Kann meine Augen nicht schließen weil sonst,
wieder alle Gedanken auf mich eindringen,
was ich diesmal Fehlte, warum ich diesmal glaubte.

Du erschöpfst mich.
Du machst mich Krank, so Krank wie
ich nie zuvor gewesen bin, obwohl
ich all die Symptome kenne,
von Müdigkeit bis hin zu Sehnsucht.

All das erschöpft mich so sehr,
und doch kann ich keine Ruhe finden,
gleich ob mit dir oder ohne dich,
alles Schmerzt gleich stark,
und lässt mich Wünschen das Herz zu Stein.

Denken und bedacht

Besonnen betracht ich dich,
ein Gesicht, so Weich wie
mein Herz sein wünscht
Eindringlich seh ich in dich,
deine Augen, so Tief wie
meine Gefühle zu sein wünschen
Zitternd erdenk ich dich,
deinen Leib, so Warm wie
der meine zu sein wünscht
Scharf überdenk ich das,
so Logisch wie
mein Denken manchmal sein kann

und komm zum Schluss
Unvernunft ist das, was regiert
im Innern, gestützt von Säulen
die das Herz gehauen in den Stein
des Heißen Leibes, genährt
von Gedanken die ein Leben
sich Stricken aus den Fäden der Erfahrung

Gedanken Nacht

Ich liege, die Arme verschränkt, und schließe die Augen.
So bricht die Nacht über mein Denken herein.
Jeder Atemzug schenkt einen Teil des seins.
Leben, Gefühl, Sehnsucht, Pflege und Begehr.

Doch, wann immer ich trachte zu geben,
wird die Kehle mir geschnürt.
Ich ersticke, unfähig zu atmen,
ohne eines Wortes Ton
zerreisst das Herz mir in der Brust.
So steh ich in der Scheibenwelt vor einem bitteren Häufchen Leben und möchte Trauern.