Berühren

Berühren will ich, einer Fingerspitze
gleich die Oberfläche dieses Teichs.

Wie Milchglas nur kann ich sehen,
Was darunter, umso Neugieriger
ist mein Denken, das forscht.

Ohnmächtig jedoch bin ich, die Glieder
meiner Finger gefroren ohne Kälte
Versuche ich etwas zu sein, das ist.

Mehr nur als hohle Phrasen, mehr
als nur Hände die flüchtig sich befassen
mit den Schultern die so gern ich umfangen.

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Leerentumult

Völlig Leer, mit entrücktem Blick Sitz ich.
Rechts oder Links?
Nicht Wissend Vor oder Zurück.
Mit Schaum oder Ohne?
Als der Blick sich nach Innen richtet,
Das wird aber Brennen.
und das Gesicht sich verzerrt.
Sei’s drum, genug Gedanken verschwendet.
Trügerische Ruhe im Innern,
Wie lang, das es Schmerzt und Heilt?
Ignorierend der Konsequenzen.
Fort nur, fort vom Fühlen,
Angst und Hass sind krasse Katalysatoren.
in die Entspannung des Bads.

Appettit und Hunger

Von Deprivation getrieben bin ich zur Hälfte Taub, im Leibe Still
beraubt von Gerüchen, entzogen jedweder Berührung Hungere ich
nach all dem, was mir geblieben, in allen nur erdenklichen Facetten

von Bildern, kleinen Details, die mir auffallen mögen in Ihrer Beifälligkeit
von Stimmen, Tönen, in all Ihren Farben, Höhen und Tiefen, in Ihre Wichtigkeit
getrieben bin ich in einem Sog aus Informationen, Gefühlen und Schlüssen

ist mein Appettit kaum zu Stillen, da Zwei aller Sinne mir fehlen, so sehr fehlt es
das weiche Süße einer Begegnung zu Riechen, die herbe Würze des Lernens Wahrzunehmen
zu Erkennen einen anderen Menschen, und Ihn dann zu Berühren, mit Ihm zu gehen

und wenn es nur eine Strecke ist, ein kleiner, noch nicht fester Pfad, den man beschreitet
den Kopf zu neigen und zu spüren, das dort mehr ist als Wahrnehmung, mehr als Erkenntnis
die Essenz des Fühlens stachelt meinen Hunger an, treibt den Appettit, der in mehr

als meinem Magen wütet, mehr als meinen Kopf verstauben lässt, mein Inneres trocknen lässt
ist es all dies, was mich treibt in das Meer der Menschlichkeit, in dem einstweilen
ich nicht Baden will, sondern mich umspülen lassen, nahezu ertrinken will

Schattenfessel

Finster, quetschende Gedanken umspülen mein Sein,
gefletschte Zähne, Klauende Finger krampfen vor einem Zuckenden Oberarm
Augen, die Weh tun sollen, Schmerzen, Bestrafen, Leid

Zähflüssiges Denken, das Schwarz, ganz ohne Rücksicht umspielt den Leib der,
in Wut, Verachtung sich krampft, voller Zweifel, die in Düsternis gewandelt
voll Orientierungslosigkeit keinen Weg findet, nach draußen, kein Ventil

als Musik, die nur noch begünstigt die Oberfläche des brodelnden Sees
der zerfrisst meine Brust, zerfetzt meinen Kopf, verglüht meine Augen
nahezu platzend vor Emotionen die nicht zu spüren ich mir wünschte

brechen in mir hervor, verblassen, unbehandelt, ziehen sich zurück
blassgrau, vermissend die Emotionen, die so hungrig gewünscht
die facetten des Mosaiks, nach denen ich so sehnlich suche

Brüchig

Voller Denken wandle ich in lichter werdend Tage Schein und
kalter Hände kühler Hauch umfängt mein Herz, das bricht in Splittern
bricht das Licht sich in Kaskaden breitend über meinen Leib

nicht mehr in der Lage zu spüren diesen Körper bin ich
drum lauf ich weiter, taub, vom Zeh bis in den Scheitel,
zu Scheiteln versuch ich zwischen Zweifel und Gefühl

Fühl doch so Leer oft ich mich, das zu Füllen ich sehne
all das Grau mit vielen Farben, unkenntlich Facetten
zeigt sich Menschlich hier, jeden Tag und immer wieder

das zum Widerspruch mich führt der Glauben,
zu erkennen, was den Menschen macht,
ist doch der Mensch, was des Menschen Macht

und gemacht bin ich, doch frag ich oft mich,
aus bewusster Kraft, oder eher in des Zufalls wid’rer Dacht
so taum’le ich, häufig, ohne festen Plan in die Nacht

ein Geist von Flucht getrieben bin ich,
wünsch zu flüchten regelmäßig, in eines and’ren ich
zu genießen anderer Mäntel Wärme als meines eig’nen,

den schon längst ich nicht mehr spür

Tagtraumgespinst

Man sieht, wie durch ein Fernglas, einem Traum, Dinge aus der Entfernung.
Dinge, die so banal, so schlicht, doch eine eigene Schönheit besitzen.
Diese Schönheit, die so selten, aber doch so Schön strahlt, das man sie allzu selten bemerkt.

Und dann lehnt man zurück, betrachtet sich, und sieht: nichts.
Kein Gefühl, da unten, tief im Innern. Nur das reine, leicht verschmutzte Graue fest.
Feste feiern kann man nicht hier, nur versuchen, daran zu klammern, als ertränke man.

Und hinter all diesem Grau, all dieser Ablehnung, der ganzen Vorsicht, Umsicht?
Risse im feinen Granit, das sonst so undurchlässig, Sehnsucht sich kämpft.
Sucht zu Sehnen, malt die Leidenschaft in Bilder, die gesehen und doch vergessen wollen.

So tritt man in dem Grau, einem Sumpf gleich, und hofft, nicht zu ertrinken.
Auf keinen Fall zu Trinken, das Gift, das man selbst sich mischt, um nicht zu Neiden.
Zu Neiden all diese profanen Banalitäten, die man, im Kalten Sturm, so Schätzen lernt.

Und schätzen kann man vieles. Ein Lächeln, das ehrlich gemeint. Ein Blick, der erkennt.
Wenn das erkennen nur nicht immer so sehr mit Zweifel verbunden, an all den Möglichkeiten.
Zweifelhaft all das, was man zu fühlen imstande, was nicht eindeutig erklärt.

Und Erklärungen sucht doch letzten Endes alles.
„Weil ich will“, „Deswegen“, und „Darum“ sind die Säulen aller Tage.

Zwietracht

Zwietracht ist ein schönes Wort. Ich interpretiere als es Doppelspiel. Man trägt Zweierlei. Masken, Gewänder. Meinungen. Abbilder.

Da geht man hin, eines schönen Tages, und hofft. Man hofft inständig, wie es das Leben lehrt, und macht einen Schuhabdruck. Doch kaum nimmt man ihn Wahr, möchte man ihn Rückgängig machen. Nicht nur verwischen. Dann wüsste man nämlich, das da mal etwas war. Nein, man will ihn auslöschen. Komplett rückgängig machen. Wie oft passiert so etwas?

Wie viele Worte gesprochen, versprochen, gebrochen die man besser nie in diese Welt entlassen hätte? Voller Zwietracht ist man in sich selbst. Glaubt an sich, mag sich, liebt sich gar.
Aber was ist die andere Seite? Purer Selbsthass? Verachtung? Reine Kompensation von Unsicherheiten, Leerläufen, Zweifeln? In welchen Formen? Betäubung, Sex, Befriedigungskäufe, zwanghafte Selbstprofilierung?

Und wenn ich mir dann diese Fußspuren ansehe, im Sand des Lebens, an all den Stränden der Zeit, an denen ich mich bisher herumtrieb, dann verzerrt sich mein Gesicht. Ein Lächeln, ja. Aber kein Schönes.
Was führt einen Menschen immer dazu, mit seinen Füßen, seinem Charakter, seinen Worten in etwas herumzutrampeln, das ihm nicht zusteht?

Was steht überhaupt zu? Doch eigentlich nur der eigene Raum. Und wen man den doch nur erhalten könnte. So, wie man ihn immer wollte, oder wenigstens wie man ihn hatte. Aber da ist das Stachelschwein-Dilemma wieder.
Jeder Raum beschneidet eines anderen. Und jedes Meer, voll mit Tränen, Verzweiflung, aber auch Hoffnungen und Träumen, fließt in das aller anderen ein.

Und fröhlich ertrinken wir darin. Saugen wir all die Materie auf wie ein Schwamm. Und wofür?
Um uns selbst nicht zu fühlen. Selbstspüren wäre nur allzu Schmerzhaft und Wahr. Und manchmal braucht man keine Wahrheit, nicht wahr?