(An)Klage

Lass mich hier klagen.

Mein Geist ist, sofern nicht beschäftigt, und das ist er zum Glück sehr lange momentan, immer wieder nur damit Beschäftigt.
Immer wieder diese Gedanken, immer wieder dieser Stumpfsinn, gemischt mit bitterstem Hass.
Hass allem menschlichen Gegenüber. Der Frage „wie kommt man dazu, zu Glauben?“.
Und der Frage „wie kommt man zum Gefühl, nicht mehr zu Glauben?“.

Und das alles nur wegen einem. Einem Menschen. Wegen einem einzigen Menschen.
Das ist keine Anklage, wie man sie in Facebook und konsorten lesen kann. „Du hast mich Kaputt gemacht – nur du bist Schuld“ – nur um dann alles Offen stehen zu lassen.
Das ist eine offene Anklage. An niemanden gerichtet – und doch voll mit mir selbst.
Mit welchen Fertigkeiten bringt es ein Mensch fertig, sich so sehr, so parasitär in einen Verstand einzuwühlen?
Was gibt einem Menschen das Recht? Ist es die fehlende Weitsicht? Ist es Ignoranz und Härte, die einen Menschen dazu veranlasst, dann einfach so weiter zu machen?
Ist es gerechtfertigt, das Menschen, nach dem sie ein Kapitel abgebrochen haben, einfach so weiter machen, als sei nichts vorher geschehen?
Ist Gewissen nur eine Floskel die aus reiner Freundlichkeit und vielleicht noch guter Erziehung entsteht?

Bin ich das einzige, minderbemittelte Wesen das so empfindet? Bin ich das einzige Menschsein, das seiner Vergangenheit so intensiv gedenkt, wie es das tut? Das sich nahezu jeden Tag seiner schlechten Seiten, der Wunden die es sich selbst und anderen zugefügt hat, bewusst ist?
Oder geht es anderen ebenso? Zeigen sie es dann einfach nicht? Gehen sie einfach darüber hinweg wie über eine Pestgrube – mit verschlossenem Gesicht?

Welches Recht hat ein Mensch Mensch zu sein, wie er ist? Gibt es dafür überhaupt eine Rechtfertigung?
Sollte man nicht aufhören, sich so zu entwickeln, das man überhaupt solche Fragen stellen kann?
Einstweilen halte ich das für Besser. Alles ist Vergänglich. Jeder Mensch wird ersetzt. Früher oder später ausgetauscht. Nur – wenn man bedenkt, das ich mir dieses Faktes bewusst bin – warum schmerzt und verbittert es dann so?

Ich klage dich an. Und doch werde ich diese Klage nie aussprechen. Weil sie mir nicht zusteht.
Weil ich dich eigentlich zerfleischen will. In der Luft zerreissen. Aber etwas hält mich davon ab.
Und an allem bist nur du Schuld.

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