Spiegelsee

Hier sind wir, angekommen.
Vor uns liegt der Spiegelsee.

Mein ganz eigenes Meer, und unter der, wechselnd, kalten und warmen, glatten Oberfläche liegen sie, die Spiegel.
Jeder einzelne eine Erinnerung. Jeder einzelne von ihnen ein Mensch in meinem Leben, aus meinem Leben.

Oft liegt er Düster da, beinahe Staubig die Luft, weil alles hier nur hinter dem Alltag ist.

Und manchmal, da sitze ich an diesen Ufern und werfe Kieselsteine. Nur klein, flach, lasse sie springen, um zu sehen, wie sie über die Oberfläche hüpfen. Um zu sehen, ob Berührungen noch ihre Kreise ziehen können. Manchmal schau ich zu, wie, Sternenschnuppen gleich, neue Spiegel in den See stürzen. Manchmal gleiten sie auch. Manchmal fallen sie in Splittern.

Und dann wieder, wenn ich ein wenig etwas von mir selbst vergeude, mich in diesem See, diesem wildtobenden, Totenstillen Meer ergieße, fällt etwas unter die Oberfäche, weit in die Tiefe.
Dann tauchen sie auf, die Spiegel. In schwachschimmriger Erinnerung, aber so klarem Detail, tauchen Spiegel auf. Gleich Erinnerungen, in Gemälden, in Liedern, in Worten und in Gedanken dann fallen sie mir alle wieder ein.

Überraschend kommt das dann. Ich bin überwältigt von der Flut der Bilder. Wenn die Ebbe dann kommt, bin ich Leer. So Leer und Still wie ein See, der, unbesucht von Leben und Wind, daliegt und wartet. Ohnmächtig hofft, das ihn die Geschichte dennoch streift und neue Spiegel bringt.

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