Leerer Brief #3

Wieder ist es Nacht.
Eine weitere Nacht. Ohne dich.
Wieder rauschen beruhigende Töne in meinen Ohren.
Wie immer, wenn ich einen solchen Text schreibe.

Heute würde ich wohl den Brief damit beginnen, das ich fürchte, dich mit so langen Texten zu belasten. Das ich mich von dir getrennt fühle – und dir gleichzeitig doch verbunden. Getrennt im Räumlichen Sinne – doch empfindend, dir Nah zu sein – weil du es zulässt. Weil ich fühle, wie ich deine Gefühle bekomme. Sei es mir gegenüber oder im Bezug auf andere Menschen.
So lässt du mich, wenn auch vielleicht ungewollt, einen Teil von dir selbst werden. Und das ist es ja, was ich mir wünsche.
Verstehst du das?

»Verstehen? Inwiefern?«
Verständnis ist wichtig. Nicht nur in einer Beziehung, wie auch immer sie geartet sein mag. Man muss sich Verstehen, um Kommunizieren, um sich spüren, um einander Sorgen zu können. Man muss verstehen können – und falls nicht, dann doch lernbereit sein wollen – um mit einander um gehen zu können. Nur durch Verständnis, ein klein wenig Einfühlsamkeit nur kann man sein gegenüber verstehen.
Tut man das, steht man vor Wänden. So Glatt wie polierter Marmor, so durchsichtig wie glatter Speckstein.
Und doch würde ich dir erklären, das ich das Gefühl habe, dich zu durchschauen. Das ich mich darüber freute, das mir das bei dir so Gut gelingt, und das ich dies letzten Endes nur tue, um dein Verständnis mir gegenüber auszubauen. Weil ich mich selbst für undurchsichtig halte.
Aber so oder so – man gibt Dinge von sich Preis. Ob du durch die Kommentare, die du zum geschriebenen abgeben würdest, oder ich durch diese Texte an sich.

Verständnis ist auch in „der Welt“ wichtig. Missverstehe ich, was mein gegenüber mir sagen möchte, kommt es zu Missverständnissen bei denen Ablehnung noch die annehmbarste Konsequenz darstellt. Nicht selten sind Kriege aus Missverständnissen entstanden.

Deshalb ist Verständnis wichtig. Das aber ist nur durch Zuhören und Fragen stellen möglich. Wer keine Fragen stellt, bleibt Stehen. Kann sich nicht weiter entwickeln. Zahllose Fragen beantwortet die Zeit selbst – aber so viele kleine Details – von der Kleidergröße bis hin zum Farbgeschmack – können im Hintergrund bleiben, wenn man nicht die richtigen Fragen stellt. Wenn die Motivation, sein gegenüber kennen zu lernen, fehlt.

Wieder ein langer Brief. Wieder Nüchternheit, Grau und Trocken vermengt mit Emotionalität, Bunt und Kindlich.
Wieder ein Leerer Brief.

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