Keine Rosenkriege

»Du hast mich Verlassen.« – „Du hast meinen Stolz verletzt.“
»Soll es das also gewesen sein?« – „Das will ich so nicht.“
»Das hat mich Verletzt.« – „Wie konntest du nur?“
»Also Gut. Dann soll es so sein.« – „Ich will das du leidest.“

Die oben stehenden Sätze sind meiner Ansicht nach die meist gesprochenen, wenn eine Beziehung zuende geht – und was dahinter steht das, was man dann zwischen den Worten oder Zeilen hören oder Lesen kann.
Vielleicht mögen nicht alle so denken oder reagieren, aber ich bin der Meinung, das viele, wenn sie sich augenscheinlich mit einer solchen Situation zufrieden geben, doch im Innern mit angeknacksten Stolz und blutenden Gefühlen auseinander setzen müssen.

Warum Rosenkriege? Warum gibt es immer wieder Pärchen und einzelne Menschen, die man als Herzhaft, Liebenswürdig, als „in Ordnung“ erlebt und empfindet, dann auf einmal zu Monstern werden, deren Verhalten in keine Logik mehr einzuordnen ist?
Da sind 2 Menschen, die sich einander mal schöne Dinge gesagt haben. Die für einander mehr oder weniger stark einstehen wollten. Die charakteristische Züge, Vorlieben und Gedanken miteinander teilten – und plötzlich ist es Vorbei.

Es ist immer plötzlich vorbei. So schnell das man es meist kaum oder gar nicht vorher sehen kann. Aber warum müssen Menschen sich dann immer wieder gleich Verletzen?
Ich habe ein mal vom sogenannten »Stachelschwein-Dilemma« gehört und gelesen.
Es ist Teil einer Fabelsammlung, der folgendes erzählt:

»Eine Gruppe Stachelschweine im Winter sehnt sich nach Wärme, damit es nicht erfriert. Also rückt diese Gruppe näher zusammen um sich gegenseitig zu Wärmen. Durch die Stacheln des jeweils anderen geschmerzt müssen sie aber wieder auseinander rücken. Als Kälter wird versuchen sie wieder, einander näher zu kommen – unvermeidlich, das sie sich wieder Verletzen werden.«
Ich finde, hier lässt sich eine Prima Analogie zum Menschen bilden.

Jeder Mensch ist einzigartig in seinem Sein, seinem Tun und sogar seinem Denken – weil jedes Menschen gedanklicher Pfad mit anderen Kurven und Ecken verläuft als eines anderen. Jeder ist anders, weil er anders aufwächst, anders sieht und empfindet.
Und in uns selbst liegt die Schwierigkeit, sich nicht Näher kommen zu können, weil wir immer einen Teil des anderen Verletzen oder uns selbst Verletzt vor finden – ohne jedoch zu Wissen, ob die Verletzung des andern überhaupt beabsichtig gewesen ist.
Das berühmte Mittelmaß. Aber kommen wir zurück zum Thema: Rosenkriege.

Kann mir auch nur ein Mensch erklären, warum Menschen sich gegenseitig so sehr Verletzen müssen, wenn sie noch vor kürzester Zeit in säuseligen Phrasen schwammen und sich gegenseitig ein gemeinsames Leben vormalten? Das macht in meinen Augen keinen Sinn.
Und so sollte es nicht sein.
Man sollte einander Respektieren und Achten – wie man es vorher Tat. (Wir gehen jetzt einmal von mehr oder weniger „normalen“ Beziehungen aus)
Denn was führte denn zu der Trennung? Unglückliche Umstände, unglückliche Erkenntnisse oder einfach nur Überdruß – und selbst letzteres ist nur Menschlich.
Aber ist das gleich Grund, den anderen nun zu Hassen – oder ihm das auch noch zu zeigen?

Sicher mag sich jeder mit der Entscheidung eines anderen grämen dürfen – aber muss man es gleich so ausleben? Denn was ist denn der Grund für das Ausleben so schlechter Emotionen, Gedanken und Taten?
Meiner Ansicht nach einzig und allein der Verletzte Stolz der mit den Versetzen Emotionen einhergeht.

Der Fakt, das man es nicht überwinden kann, eine Sache nicht mehr zu haben, derer man sich vor 2 Tagen womöglich noch so Sicher schien. Da gibt es alle möglichen Konsequenzen:
Die Frau, die beim „Schlussmachen“ die Initiative ergriff zeig Eifersüchtelei weil Er etwas tut, was ihr früher schon aufstieß. Warum?
Weil sie der Meinung ist, schlimmstenfalls der Überzeugung, er müsse weiterhin ihr gehören?

Der Mann, der gegenüber Freunden von ihr mit stichelnden Kommentaren auftritt weil er ihr ihre Gute Laune neidet. Warum? Weil er es nicht erträgt, das sie Gut gelaunt ist – obwohl er leidet oder der Ansicht sein mag, das die Situation gerade keine ist, in der man lachend und tanzend durch die Gegend springen sollte?

Ich finde, jeder, der sich mal getrennt hat, oder selbst getrennt wurde, sollte sich die Frage stellen, warum er manchmal wie empfindet oder empfunden hat – und anschließend darüber nachdenken, warum er dann „Schlecht“ handelte.

Denn hat ein Mensch, der uns vor einiger Zeit noch so Lieb war, es wirklich verdient mit Kommentaren gestichelt zu werden?
Habe ich wirklich noch das Recht, einen Menschen für mich zu Verlangen, obwohl ich ihn vor kurzem abstieß?

Sollte man nicht, im Idealfall, wenn man sich getrennt hat, wieder auf eine Respektvolle und Menschenachtende Basis zurückfinden? Dort, wo es angefangen hat? Dort, wo es angenehm bleibt?
Eine Trennung schließt nicht zwingend aus, das man sich nichts mehr zu sagen hat oder erzählen sollte.
Man kann noch das Leben miteinander Teilen. Ohne Frage auf ganz andere Weisen als zuvor – aber man kann.
Und jeder sollte sich die Frage stellen ob und aus welchen Gründen er das noch möchte oder eben warum nicht.

Rosenkriege nützen niemandem etwas. Die Rachsucht wird nur kurz befriedigt – verarbeitet aber die mit der Trennung einhergehenden Neurosen nicht. Die marodieren weiterhin durch die Gedankenwelt auf der Suche nach einem Opfer. Und das bleibt man letzten Endes immer selbst.

Von daher: keine Rosenkriege (mehr).

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3 Antworten zu “Keine Rosenkriege

  1. so so… im grunde stimm ich dem ganzen zu, da es meist wirklich nur verletzter stolz und schmerzende gefühle sind, jedoch gibt es auch ausnahmen oder etwa nicht? aus liebe kann schnell hass werden… auf reaktionen folgen weitere reaktionen… man bauscht sich gegenseitig auf… dennoch denke ich dass es für die gesamte menschheit besser wäre weiterhin respektvoll miteinander um zu gehen oder den kontakt komplett ab zu brechen, aber keinesfals sollte man bewusst verletzen… aber wir reden von der menschheit… sie wird ewig so bleiben…

    • Danke für deinen Kommentar. 🙂

      Glaubst du, wenn wir an Verletzten Stolz und Gefühle denken, verletzen wir unbewusst?
      Ich hab die Erfahrung gemacht und glaube, das wir immer Bewusst verletzen. Vielleicht bedenken die Konsequenzen unseres Verhaltens nur eine Milisekunde – aber wir tun es Bewusst.
      Natürlich gibt es Ausnahmen. Oben erwähnt. Und gerade diese Ausnahmen verdienen – sowohl auf der Trennenden als auch auf getrennten Seite Respekt und Hochachtung in meinen Augen.

      Sicher – aber warum bauscht man sich gegenseitig auf? Weil einer dem andern nicht nachgeben möchte – nicht als Schwach oder „Dumm“ dastehen möchte. Womit wir wieder bei Respekt wären.

  2. ich schrieb nicht dass sie unbewusst verletzten… im gegenteil sie tun es bewusst das ist ja das schlimme… das ist das was erkennen lässt, dass keinerlei respekt mehr da ist… zum dem rest: ich stimme voll zu…

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