Antwort #1

@poetin – oder lilith – hat heute einen Artikel geschrieben, der auf einer Ein-Tweetigen Konversation zwischen uns beruhte.

Hier möchte ich darauf eingehen.

Lilith geht unter anderem aus ihrer Sichtweise darauf ein, was Liebe ist und sie bedeutet – sie trennt zwischen Spiritueller Liebe (in meinen Augen etwas Esotherisch) und auf vernunftbasierte Liebe.
Beim ersten Lesen muss ich ihr in vielerlei Hinsicht zustimmen – nicht weil ich meinte, das sie eine universell annehmbare Antwort schrieb – wie sie zu Beginn ihres Textes bereits betont, kann eine Antwort auf so eine Frage nur eine einseitig colorierte sein.
Aber in vielen Dingen gleiche ich ihr – vor allem was die vernunftbetonte «Liebe» angeht.

Wenn man von anderen Menschen – sei es in Geschichten oder im realen Leben – hört, das sie einen vernünftige, glückliche und gut laufende Beziehung führen, mag mancher zu dem Gedanken tendieren «Da muss doch was fehlen.» – das sehe ich nicht so.
Eine auf Vernunft basierende Beziehung kann sehr wohl ebenso erfüllend und Schön sein wie die Romantische, die wir uns immer wieder hier und da mit Prinzen und Prinzessinnen, mit wilden Stürmen und unerschütterlichem Stand vorstellen.
Sie hat eine Basis, die aber sehr oft – wenn nicht gar immer – einer romantischen Beziehung fehlt. Sie akzeptiert – oder toleriert wenigstens – Fehler, Macken und die von Lilith oft erwähnten Neurosen und lebt mit ihnen.
Vielleicht nicht zum Trotze, aber sehr wohl damit. Denn wie auch Lilith bereits andeutete, jeder Mensch hat mehr oder weniger große und kleine, schlimme und weniger schlimme Neurosen.

Sei es der Tick, sich das Frühstück auf die immer gleiche Art und Weise zuzubereiten, oder Einkaufstaschen auf keinen Fall auf den Fußboden im Bahnhof abzusetzen (weil Bakterien lauern, die es Zuhause nicht geben sollte) – oder ein Anti-Falten-Tick in Tischdecken, die zwanghafte Symmetrie von zusammengerückten Stühlen.
Eine auf vernunft basierende Beziehung akzeptiert diese und andere Macken, Vorlieben – sowohl Intim als auch im Alltag – und arrangiert sich damit. Ein Mensch, der eine solche Beziehung lebt, wird einsehen, das auch er ein Unding an Menschlichkeit ist, mit dem man manches mal kaum allein leben – geschweige denn gemeinsam leben kann.

Denn – kommen wir nun zur Erläuterung der zwei Gesichter – was macht eine Beziehung noch so Schwer?
Da sind 2 Menschen. Jeder auf seine Art und Weise aufgewachsen und entwickelt. Mit eigenen Neurosen, in einem eigenen, autarken System, geformt von Staat, Eltern, Freunden, persönlichen Ent- und Verwicklungen und Pfaden die nur dieser jemand selbst erlebt hat in seinen Facetten, Farben und Schatten.
Jeder Mensch hat Leichen im Keller – auch unser Beispielpärchen. Und dessen sollte man sich, finde ich, jeder Zeit bewusst sein. Ist man es nicht, läuft man nicht nur Gefahr, jedwede Beziehung die zu einem anderen Menschen persönlicher wird aufs Spiel zu setzen, sondern auch nicht mit sich selbst umgehen zu können.
Und das halte ich für ein großes Manko dieser heutigen Zeit. Die Menschen sind sich ihrer selbst nicht mehr Bewusst. Woran das liegt kann ich nur mutmaßen – da ich behaupte, mir meiner sehr wohl selbst Bewusst zu sein, größtenteils wenigstens.

Nun ist es so, das 2 Menschen, die sich vollkommen autark von einander entwickelt haben, wenn man es Logisch betrachtet, gar nicht miteinander leben können. Denn sie kennen nur sich selbst – im besten Falle – und müssen den anderen erst kennen lernen um mit ihm so Leben zu können wie mit sich selbst.
Aber kann man das wirklich? Es gibt genügend Menschen und Fälle, Silberne, Goldene Hochzeiten, bei denen sich heraus stellt, das man sich einander vielleicht doch nicht so kannte.

Aber sollte das Grund sein, nun das Zwischenmenschliche, das uns doch so antreibt, wonach wir uns sehnen zu Verteufeln?
Womöglich. Aber was wird dann aus uns, diesen ganzen Galaxien, an geistigen Möglichkeiten, diesen riesigen Vergnügungsparks von Ähnlichkeiten die ja doch immer wieder Faszinierend Neu und anziehend werden?

Für wichtig in einer Beziehung halte ich, Vernünftig zu bleiben. So vernünftig, wie es notwendig ist. Notwendig, um eine Beziehung zu leben, die einander und die Räume, die der andere nicht sehen kann und doch für sich beansprucht Respektiert.
Wo bleiben nun die Gefühle?

Am idealsten ist eine Beziehung, denke ich, wenn sie dieses magische, undefinierbare Mittelmaß findet. Emotionalität, die »Liebe«, und mit ihr, neben ihr die Vernunft.
Lass uns Achtsam und Respektvoll miteinander umgehen, wenn wir in Begleitung sind, wenn wir mal wieder die Graugesichtigen Monster sind, die abstumpfend vorm Fernseher sitzen.
Aber akzeptiere mein Feuer, meine Leidenschaft, meine abhängigmachende Sucht nach dir, wenn mir danach ist. Und erwidere sie, wenn du es möchtest. Wann du es möchtest.
Wisse, das ich dich Respektiere, für alles was du bist. Für die Leichen in deinem Keller, die ich nur teilweise sehen darf – für die Makel an deinem Körper und für den Witz den du bringst, wenn du dir meiner unsicher bist.

Denn Emotion ist das, wovor wir Angst haben. Emotion ist nicht greifbar, nicht begründbar. Sie ist vergänglich wie das Leben, wie die Vernunft wenn wir uns betrinken. Aber wir wollen sie gleichzeitig, auch wenn wir sie des öfteren verstoßen, aus dem naiven Glauben, das wir sie nicht bräuchten.
Emotion ist etwas schönes – und vielleicht hilft es (bei mir ist es so) – Bewusst in etwas hinein zu gehen mit dem Wissen, das es Gefährlich ist und abrupt und Schmerzhaft enden kann – aber der Hoffnung und der Zuversicht, das die Zeit, die vor uns liegt dennoch eine Schöne sein könnte. Spontanität trotz Vernunft und Logik – klingt Irre und Widersprüchlich, aber es geht. Finde ich.

Um zu einem Abschluss zu kommen, behaupte ich:
»Liebe« wie wir sie uns ausmalen, wie sie uns gezeigt wird, wie wir sie gegenüber anderen sehen, gibt es nicht.
Liebe ist, wie lilith sagt, immer eine persönliche Sache. Ein Mischbild aus Nuancen verschiedener Charaktere, Meinungen und Erfahrungen.
Und diesen Grat des Lebens sieht man nur selten – und doch beschreitet man ihn oft.

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2 Antworten zu “Antwort #1

  1. lieber aruoka,

    vielen dank für deine replik! das freut mich sehr, wie intensiv du dich mit meinem text auseinandersetzt. du findest eigene worte, die anders ausdrücken, was ich im grunde auch sagen wollte.
    ich finde es unerlässlich für das gelingen einer beziehung, dass jeder sich selbst und auch der leichen im eigenen keller bewusst wird. und auch ich finde es schade, dass viele aus angst vor dem, was sie da entdecken könnten, genau das nicht wagen.
    den anderen können wir nie ganz kennen, auch uns selbst nicht. aber je besser wir uns selbst kennen und so dem gegenüber auch zeigen, desto aufrichtiger sind wir uns und dem anderen gegenüber. das ist gelebter respekt und auch achtsamkeit.

    das einzige, wo ich dir widerspreche: das feuer und die leidenschaft des anderen zu akzeptieren, wenn ihm danach ist, finde ich in ordnung. eine abhängigmachende sucht jedoch ist nicht frei. sie grenzt den ein, der sie empfindet und den, dem man sie entgegenbringt. wenn zwei das spiel spielen, können sie dennoch glücklich miteinander werden, weil sie in dem punkt gut zusammenpassen. doch ich persönlich möchte weder das objekt einer sucht sein, noch ein gegenüber dazu machen. das tötet möglichkeiten und empfindungen.

    was bleibt: liebe und lieben bleibt eine ungemein faszinierende erlebnis- und erfahrungswelt.

    • Um…in einer Sache muss ich dir widersprechen, Lilith.
      Nur weil wir uns kennen, sind wir noch lange nicht Ehrlich mit uns selbst oder gar dem Gegenüber.
      Ich bin der Meinung – vielleicht gar der Überzeugung, das man gerade dann Gefahr läuft, sich selbst und seine Umwelt zu Belügen und zu Spiegeln.
      Gerade -weil- man die leichen im Keller nicht sehen möchte. Oder Angst vor der Reaktion des fremden hat – denn wenn mir meine Leichen schon Schlimm erscheinen – wie muss erst der andere sie sehen?
      Ohne Frage gibt es jedoch Situationen und Menschen die dann Direkt und Ehrlich sind – aber dbringt das denn immer was? Meiner Erfahrung nach nicht.
      In der heutigen Menschheit muss man vorsichtig und bedacht sein, was man wem wie und vor allem wann erzählt.
      Zu groß sind Risiken das der andere die Flucht ergreift – oder schlicht mit der Flut an Informationen nicht umgehen kann.
      Sucht an sich muss nicht etwas schlechtes sein.
      Auch ein Süchtiger kann sich, wenn er sich dieser Sucht bewusst ist – wie etwa ein Alkoholkranker der Trocken ist (denn Alkoholismus ist nicht heilbar) zusammen nehmen und eben nicht mehr Trinken.
      So kann ein „von einem Menschen“ Süchtiger durchaus noch Herr seiner selbst bleiben – wenn er die Bedürfnisse die mit dieser bildhaft gesprochenen Sucht einhergehen – dosiert auslebt.
      Meine ich.

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