der Welten Waldlauf

Leicht unruhig stapft er mit seinen Freunden durch den Wald, die untergehende Sonne taucht alles in Mattes Licht. Tief atmet er die Waldluft und ihren Duft ein: trockenes Moos, die Rinde der Bäume, verschiedenste Blumen.
Während sie so über Trampelfade laufen beobachtet er den Boden, wie sich alles verändert. Hier eine kleine Straße Ameisen, dort Wühlspuren von Wildschweinen, ein paar Färten von Paarhufern.

«Werden wir sie finden? Was meint ihr?» fragt er seine Kameraden.
«Das wissen wir doch nicht. Lass uns weiter laufen, wer weiß wie weit wir noch müssen.»
Die Unruhe wird stärker in ihm, er beginnt etwas weiter auszugreifen mit seinen Schritten, blickt sich aufmerksam im Wald um, lauscht den Geschichten die ihn umgeben. Seine Gefährten sagen kein Wort. Aber der Wald selbst erzählt ihm genug.
Das Zwitschern der Vögel, mal leis und hoch, und dann wieder laut und krächzend. Das Rascheln der Blätter, das ihm erzählt, das die sanfte Brise zunimmt und auffrischt.

Plötzlich meint er, wasserrauschen zu hören. «Das muss es sein. Wir haben sie gefunden!» jauchzt er und beginnt zu Laufen.
Mehrere male stolpert er fast, fängt sich aber im Laufen wieder und rennt weiter.
Sein Herz beginnt zu Rasen. Er stellt sich vor, wie es aussehen, wie es sein wird.
Grinsend und Schwer Atmend kann er nur noch Laufen. «Vorwärts, weiter, weiter, schneller, gleich muss ich da sein!» denkt er.
Als er über den Hügel stolpert sieht er „sie“.

Eine Lichtung. Im schwindenden Sonnenschein in tiefes Rot-Orange getaucht.
Man sieht kleine Partikel durch die Luft tänzeln. In einem Umkreis von 10 metern gibt es keine Bäume. Er ist übersichtlich, dieser Platz. Von erhabener Schönheit. Flaches Gras, wildes Moos, Kreuzblumen und Lichtblumen wachsen verteilt an diesem Ort der Stille.
Doch in der Mitte dieses scheinbare Perfekten Kreises liegt jemand.
Eine Schönheit, in weißes Leinen gekleidet, langes, Goldblondes Haar, ein langer, schlanker Körper sieht ihn aus Mandelgroßen Augen an.

«Sei gegrüßt. Ich erwartete dich. Wie geht es Dir? Nimm doch Platz.»
Er ist Überrascht, hier jemanden zu sehen. Vor ein paar Wochen erst entdeckte er diese Lichtung und wollte unbedingt wieder hierherfinden, und jetzt ist diese Frau dort. Verunsichert kommt er langsam näher und setzt neben ihr in das Gras.
«Gut geht’s mir. Danke. Aber…was tust Du hier?»
«Ich bin Du. Zumindest das, was Du sehnst. Das, was Du dir wünschst, wenn Du des Nachts allein liegst und deine Gedanken hinauswandern. Dein Gefühl, wenn Du es so möchtest.»
«Aber…wie kann das sein? Ich meine…»
Plötzlich flimmert die Luft. Erschrocken reißt er die Augen auf, als er beobachtet, wie sich ihr ganzes äußeres verändert. Das weiße Leinen wird erst Dunkelgrau, dann Schwarz. Ihr Gesicht wird plötzlich von Narben zerrissen, tief und Breit. Dunkelrosa hebt sich das Fleisch darin vor. Ihre Augen werden Dunkel und beginnen in seinem Blick zu Brennen.
«Ich bin das, was deine Gefühle ausmachen. Ich bin Du, und das, was Du aus Dir machst, in dem Du dich nicht spürst. Indem Du nicht empfindest. Dich zerstörst. Erstickst. Und ich bin immer das, was Du gerade am stärksten empfindest.» spricht sie, während sich ihr Kleid Dunkelblau färbt und ihr Gesicht sich Normalisiert, es kleiner wird, Sommersprossen darin auftauchen und ihm das Gesicht eines Kindes, mit Hoffnungen und Träumen entgegenblickt.

«Und was willst Du von mir? Was soll ich tun? Was kann ich tun?» wispert er, kaum fassen könnend, was sich da vor ihm abspielt.
«Lebe. Lebe aus, was Du fühlst. Was immer du spürst. Was du möchtest. Dann verschwinde ich, und werde dich nicht mehr Stören.» erklärt sie ihm sachlich, während ihr Gesicht sich vor Zorn verzerrt und ihn Augen voller Hass anblitzen.
«Tust Du es nicht, werde ich Dir hinterherlaufen. Ich werde immer hinter Dir sein. Irgendwann dann zerfleische ich Dich. Langsam aber sicher zerfresse ich dich von innen heraus. Die Entscheidung liegt bei Dir.»
Und während sie wieder zur Schönheit in Weiß wird, umarmt er sie und gibt ihr zart einen Kuss auf die Stirn. Langsam steht er auf, geht rückwärts wieder den Hügel hinauf. Still steht er da und sieht sie an, erwidert das warme, liebevolle Lächeln das sie ihm schenkt und dreht sich dann langsam um, um seine Freunde zu suchen, die hinter ihm zurückblieben.

P.S.: Dieser Blog-Eintrag wurde teilweise von Honigtaucher’s Blog inspiriert.

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5 Antworten zu “der Welten Waldlauf

  1. Eine sehr schöne Geschichte, Aruoka, und vielen Dank für den Link. Ich glaube, es ist mir auch noch nie passiert, dass ich Menschen so sehr inspiriere, wie mit meinem Honigtaucher-Blog. Ich muss irgendwas richtig machen, lach.

    Ich mag die Aussage Deines Essays sehr: Lebe danach, was Dein Herz Dir sagt. Kaum auszudenken, was für ein schöner Ort die Erde wäre, wenn sich alle Menschen danach richten würden. Wer seit seines Lebens im Widerspruch zu seinem Herzen, zu seinem Geist und inneren Wesen lebt, wird von den dunklen Geistern seines eigenen Handelns eingeholt werden. Nur wer Frieden mit sich selbst schließt, wird das Glück in seinen Händen halten ^^.

    Liebe Grüße,
    Annabell

    • Vielen Dank für deinen lobenden Kommentar.
      Deine Ansicht ist Richtig und Gut, aber wer lebt heutzutage schon im Einklang und Zufriedenheit mit sich selbst?
      Die Düsteren Geister holen uns jeden Tag immer wieder mal ein. Vor allem in Zeiten wie diesen, wenn man es mal so Pauschalisieren will.

  2. Hm, das ist eine gemeine Frage, denn ich wage zu behaupten, dass die Menschheit zu keiner Zeit wirklich im Einklang und Zufriedenheit mit sich selber gelebt hat. Insofern lauert hinter jeder Ecke auch immer ein Schatten ^^.

    Ich glaube, um zu sich selbst zu finden, muss jeder Mensch den Weg für sich alleine gehen. Die Konflikte, auf die er dabei stößt, kann er nicht in der Gruppe lösen. Besser, Du stellst Dich den düsteren Geistern, als vor ihnen weg zu laufen. Sie sind eh schneller als man selbst ^^.

    • Dazu denke ich, das es irgendwo gar nicht möglich ist, sich eben jenen Schatten zu stellen, weil sie einen immer wieder Verfolgen. Sie sind Teil der Persönlichkeit die sich im Laufe des Lebens entwickelt.
      Sicher gibt es Charaktereigenschaften und Erlebnisse die man irgendwann Ruhen lassen kann, aber im Prinzip steckt in jedem noch so Guten Menschen mindestens ein Arschloch-Aspekt – eine Eigenschaft die auch ihn…Verurteilswert macht. Irgendwo.
      Regards,
      Aru

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