von Begegnung und Berührung

Es ist halb Sechs. Er ist Schlagartig Wach. Heute wird er sie sehen! Er kann es kaum noch erwarten das Ticket zu kaufen und zu ihr zu fahren. In diese fremde Stadt, das erste mal mit einem ICE, wo er doch nie allein irgendwohin weggefahren ist.

Er steht am Bahnhof und wartet auf den Zug, der ihn zum Fernverkehrsanschluss bringen wird. Er ist so aufgeregt, er hat das Gefühl er sei quasi schon da, dabei liegen immernoch 6 Stunden Fahrt vor ihm.

Zweiter Bahnhof, der ICE fährt ein. Er ist Nervös, der Zug mutet wirklich voll an. Er steigt ein, sieht sich um, kein freier Platz in Sicht. Also auf 3 Stunden Bodensitzen dem andern fremden gegenüber einstellen, der auf seinem Reisekoffer sitzt.
Er ist so aufgeregt, das er erstmal eine Zigarette braucht. Also nach Links, schauen ob es im Raucherabteil geht. Und siehe da, ein Platz ist frei. Hingesetzt, die Stöpsel des MP3-Players ins Ohr und gemütlich eine geraucht.
Durch die Gehörgänge wirbeln Lieder und Melodien, die ihn die letzten Wochen begleitet haben. Sie euphorisieren ihn und lassen den Schmetterlingsschwarm zu einer Horde Kolibris mutieren die Wild in seiner Bauchhöhle tanzen…

Der zweite ICE, kurz vorm letzten Halt. Sie hat angerufen und gesagt, sie kommt mit einer Freundin und einem Luftballon. Die Türen öffnen sich, er ist als erstes draussen.
Er registriert diese riesige Masse von Menschen am Bahnsteig und fixiert sich auf den Horizont über den Köpfen, hält nach einem Ballon Ausschau. Langsam leert sich der Bahnsteig, noch kein Ballon, keines der Mädchen in Sicht. Unruhe keimt auf. Er betet, das sie noch einmal anruft und sein so gut wie leerer Handyakku ihn nicht im Stich lässt.
Da klingelt das Handy, sie sagt, sie sind schon auf dem Weg.
Gut, hält er also Ausschau. Als die beiden an ihm vorbei gehen und kaum 5 meter vor ihm stehenbleiben muss er grinsen.
Leise ruft er ihren Namen, aber sie hört nicht, kramt nach ihrem Handy. Er hält seines bereit sofort aufzulegen wenn es klingelt. Ihre Freundin hat die Situation mitbekommen und macht sie aufmerksam, auch erfolglos. Erst als er vor ihr steht fällt er ihr auf.
Dann die Umarmung. Vor wenigen Minuten erst hatte er das letzte getrunken, doch plötzlich war sein Mund Trocken wie Sand.

Abends, bei ihr Zuhaus. Nach der Ankunft waren sie noch bei ihrer Freundin gewesen. Während der ganzen Zeit hatte er sich nicht Überwinden können ihr Nahe zu kommen, obwohl ihn doch alles zu ihr zog.
Nun saßen sie nebeneinander auf dem Bett, in der Anlage die CD die er ihr zusammengestellt hatte. Sie seufzte, «darauf hab ich den ganzen Abend gewartet. Mit dir Allein zu sein», sagte sie und lehnte ihren Kopf an seine Schulter.
Ihm war, als bräche ein Gletscher ihn ihm zusammen. Schüchtern legt er den Arm um sie und drückt sie Sanft. «Du siehst verspannt aus. Soll ich dir ein wenig die Schultern massieren?», fragt er unsicher.
Als sie sich dreht und er sanft ihre Schultern berührt, spürt er ein Kribbeln unter den Fingerspitzen.
«Weißt du, ich würde gerne etwas tun…etwas, worüber wir uns mal Unterhalten haben…aber ich traue mich nicht.», presst er bemüht hervor.
«Ich auch…aber ich bin unsicher.Ich möchte keine Fehler machen.», flüstert sie.
Er ist verwirrt, extrem unsicher ob sie ihn auch nicht missversteht, als sie sich von ihm löst und ihn bittet sich neben sie zu legen.
So liegen sie beide da und sehen sich schweigend in die augen.
Er murmelt das sie sich auf ihr Gefühl verlassen soll, während sich ihre Lippen langsam aufeinander zubewegen.
Im Augenblick ihres Lippenkontakts ist es, als würde die Zeit stillstehen. Die Meute droht Jubilierend ihm aus dem Brustkorb zu springen, als plötzlich eine Stimme erklingt die sie auffordert sich zu Bett zu begeben.
So spät schon. Sie sehen sich Tief in die Augen und verabschieden sich voneinander.
Er liegt noch eine Stunde und wünscht sich der Rausch möge nie Enden…

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3 Antworten zu “von Begegnung und Berührung

  1. Ne wunderschöne Geschichte…
    Sie weckt Träume und vielleicht bei manchen sogar freudige Erinnerungen…
    Du hast sie toll Geschrieben und wenn man sie liest, fühlt man sich als wäre man mitten drin…
    Ist wirklich ne schöne Geschichte… Du solltest öfter sowas schreiben =)
    Liebe Grüße

  2. Das ist eine wunderschöne Geschichte.. Sie erscheint so, als hättest du sie selbst erlebt! Nur das Ende gefällt mir irgendwie nicht.. Soll aber keine negative Kritik sein 😉
    viele Grüsse
    Gianna

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